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vom
Potential einer musikalischen Geste
Aspekte der Freien Improvisation
Musik, Referate und Diskussionen
1. Matinee
Sonntag, 14.
Dezember 2003, 11.00 - 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse
70, 4058 Basel
Hansjürgen Wäldele,
Nicolas Rihs und Matthias Arter
Ensemble: Ist ein Solist
einsam? Verderben viele Köche den Brei?
Die Improvisation in Gruppen ist eine
Hilfe und Herausforderung zugleich: ich trage die Verantwortung
für die entstehende Musik nicht alleine, ich bekomme
Impulse aus dem klingenden Umfeld, ich kann im Schutz des
Ensembles mehr riskieren, weil das Netz der gemeinsamen Verantwortung
eventuelle Abstürze auffängt, aber zugleich sind
die anderen Spieler auch Widerstände, deren Aktionen
möglicherweise meine Pläne durchkreuzen, Situationen
schaffen, die meinen Handlungsspielraum einschränken.
Genau hier liegt der besondere Reiz des improvisierten Ensemblespiels:
es gibt keine wirkungsvollere Stimulans für Kreativität
als den Widerstand!
2. Matinee
Sonntag, 25. Januar 2004, 11.00
- 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse
70, 4058 Basel
Hansjürgen Wäldele,
Nicolas Rihs und Rudolf Lutz
Idiom und Freiheit:
Von stilistischen Einschränkungen und einigen illusionären
Visionen
Im improvisierten Zusammenspiel
entdecken, erproben und entfalten die Spieler ihre musikalischen
Möglichkeiten. Das Ensemble entwickelt eine gemeinsame
Sprache, deren Reichtum und Differenziertheit in der Unterschiedlichkeit
der individuellen Herkunft jedes Spielers gründet. Im
Mittelpunkt des Interesses stehen aber nicht die Spielenden,
sondern das Spiel, das gegenwärtig entstehende Stück.
Auch in der "freien Improvisation" währt die
Freiheit nur Sekunden. Mit jedem Augenblick des Spielens wird
das Beziehungsnetz dichter, und die Musik übernimmt das
Diktat. Mit den Grenzen wächst die Möglichkeit der
Gestaltung. Nur auf festem Boden gelingt der Absprung.
3. Matinee
Sonntag, 14. März
2004, 11.00 - 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse
70, 4058 Basel
Hansjürgen Wäldele,
Nicolas Rihs und Alfred Zimmerlin
Plan: Theoriebildung
in der Improvisation. Beobachtungen an den Wurzeln der Musik.
Was für die Interpretation jedes
notierten Werkes gilt, tritt bei der Improvisation mit besonderer
Vehemenz zu Tage: wenn wir die Musik, die wir spielen nicht
auch denken, geraten wir unversehens in den Strudel unserer
Abkunft, verfangen uns in einem Netz vertrauter Figuren und
bewährter Wendungen, das die Leere der langsam wachsenden
Distanz zwischen Spiel und Spielendem mit Sicherheit und Routine
füllt. Wenn wir aber während des Spielens zu denken
beginnen, die Situation beurteilen und Pläne schmieden,
ist der Kontakt zum Stück bereits abgebrochen, das Spiel
verdorben, und jede Suche nach Folgerichtigkeit vergebens
4. Matinee
Sonntag, 25. April 2004,
11.00 - 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse
70, 4058 Basel
Hansjürgen Wäldele,
Nicolas Rihs und Walter Fähndrich
Halt und Makel: Gibt
es objektive Qualitätskriterien für Musik? Kann
eine Improvisation "scheitern"?
Die Haltung des Spielenden birgt in
jedem Augenblick die Möglichkeit des Gelingens oder die
Gefahr des Scheiterns. Das bedingungslose Vertrauen in das
entstehende Stück und den Anteil des Spielenden daran
ist der seidene Faden, der das Spiel trägt. Die absolute
Ausschliesslich-keit des spielenden Tuns ist sein Kokon. Ich
spiele mit Klang, um mit Klang zu spielen. Allzu gross ist
die Versuchung, zu spielen um zu gefallen, mit erprobten Tricks
und spektakulären Aktionen um die Gunst des Hörers
zu buhlen. Es gibt wenig Musik, die solches Buhlen überlebt.
In jedem Handeln lauert der Keim des Versagens. Improvisation
ist ein Vorgang von grösster Komplexität und als
solcher auch anfällig für Fehlleistungen. Bereits
wenn mein Spiel sich nicht mit meiner Hörerwartung deckt
ist dies unzweifelhaft ein Fehler. Ein solcher Fehler wird
genauso selten die Musik verderben, wie eine falsche Note
ein komponiertes Werk. Die beliebte Praxis, durch Wiederholen
der fehlgeschlagenen Aktion eine "Legitimation"
nachzuliefern ist unredlich und selten ein Gewinn für
das Stück
5. Matinee
Sonntag, 6. Juni 2004,
11.00 - 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse
70, 4058 Basel
Hansjürgen Wäldele,
Nicolas Rihs und John P. MacKeown
Spiel: Der Homo ludens
in der Musik. Eine etwas verspielte
Musikgeschichte.
Improvisation ist Kommunikation.
Nicht Kommunikation des Spielers mit dem anderen Spieler oder
dem Publikum, sondern Kommunikation der Spieler mit dem entstehenden
Stück.
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