Aspekte der Freien Improvisation
vom
Potential einer musikalischen Geste
In der kleinsten musikalischen Geste
schlummert oft im Keim eine ganze Oper.
Wird ein wacher Geist das Mögliche hörend erkennen
und mit leidenschaftlichem Geschick die bezauberndsten Klänge
und phantastischsten Welten schöpfen?
In unserer Reihe „Aspekte der Freien Improvisation“
suchen wir mit unseren Gästen und dem Publikum neue
Wege der Auseinandersetzung mit musikalischen Grundfragen.
Hansjürgen
Wäldele, Nicolas Rihs und Gäste
4.
Matinee:
Hansjürgen
Wäldele, Nicolas Rihs und Peter
Baumgartner
Musikakademie,
Haus Kleinbasel, Rebgasse 70, 4058 Base
Sonntag, 13.
Mai 2007, 11.00
– 12.30 Uhr

Kritik der Geste
In meiner Arbeit wird es
vor allem um eine Kritik der Geste gehen,
die Kritik aber verstanden als Dienst an demjenigen, was
hinter der Geste versteckt oder unter ihr begraben liegt.
Ich sehe die Improvisation/Kommunikation als zweischichtiges
Phänomen: die Oberflächenschicht der Gesten (oder
der Rhetorik) und der unmittelbaren Reaktionen aufeinander
- und eine Tiefenschicht, die ich als "Resonanzschicht"
bezeichnen werde. Ich meine damit sowas wie "gegenseitiges
Verständnis" oder "Gruppenfeeling" (es
geht dabei auch um das Wach- oder Mobilisiertwerden durch
die sich entwickelnde Kommunikation).
Dabei vermute ich, dass die Entwicklung der zweiten, die
ich als "Resonanzschicht" bezeichne, durch ein
intensives Agieren auf der Gestenebene nur bedingt zu fördern
ist, dass vielmehr Gelassenheit und eine bewusste Zurückhaltung
an der Oberfläche den Untergrund quasi nach oben holen
und direkter erfahrbar und behandelbar machen.
Die "Kritik der Geste" wird dabei auch über
eine Thematisierung der Angst und der Flucht vor
tiefgreifender Auseinandersetzung geschehen: was
treibt uns so oft dazu, über weite Entfernungen hinweg
gestikulierend mit dem Zaunpfahl zu winken, wenn wir uns
auch einfach annähern könnten ? Martin Heidegger
hat dafür ein sehr schönes und genaues Wort: ent-fernen.
Peter Baumgartner
Peter Baumgartner (bloom)
Seit der Matur Autodidakt,
Beschäftigung mit Sprache, Kommunikation, Wahrnehmung,
Psychologie, Philosophie, Musik und Literatur.
Lebt und arbeitet seit 1990 im Grossraum Basel.
Ab 1998 Auftritte mit lautpoetischen Arbeiten im Übergangsbereich
zwischen Sprache und Musik (Basel, Bern, Wil).
Macht seit 1999 improvisierte Musik mit dem Computer und
spielt seit demselben Jahr mit Christoph Schiller (Klavier
und Spinett) in einem festen Duo (Auftritte in Basel, Zürich,
Bern, Mulhouse und Strasbourg).
Spielt als "bloom" solo und in verschiedenen Duos.
Seit kurzem existiert das Quartett "Rosetta Stone"
mit P.B., dem Saxophonisten Bertrand Gauguet (Paris), dem
Perkussionisten Alexandre Kittel (Mulhouse) und dem Spinet-Spieler
Christoph Schiller.
Von Zeit zu Zeit erhält er die Möglichkeit, eine
Klanginstallation zu machen (u.a. beim Projekt "Tram-Sphère"
in einem ehemaligen Tramdepot in Zürich - und im Treppenhaus
des "Progr" in Bern im Rahmen der "Leerraum"-Reihe
von Klanginstallationen) oder in einer Aufführung komponierter
Musik mitzuwirken (Werke von John Cage, Manfred Werder und
Michael Pisaro).
Eine Solo-CD ist 2004 beim Label Leerraum erschienen ("bloom
- tristan da cunha"), 2005 eine Duo-CD mit Christoph
Schiller beim portugiesischen label creative sources ("Savagnières").
Er schreibt unregelmässig für die Aargauer und
die Basellandschaftliche Zeitung und für die Schweizer
Zeitschrift für Neue Musik "dissonanz/dissonance"
über elektronische, elektroakustische, improvisierte
und/oder komponierte zeitgenössische Musik.
Anfang 2006 hat er eine Ausbildung im Bereich Erwachsenenbildung
(mit Schwerpunkt "Themenzentrierte Interaktion")
begonnen.
Seit 2007 macht der die Pressearbeit des Konzertorganisators
moments musicaux Aarau.
Er lebt mit der Pianistin Tanja Masanti zusammen und ist
seit 2000 Vater von Lea Lisa Philomena (mit Job-Sharing).
www.sonic-bloom.ch
In den Alltag zurück
Von Urs Grether
"Peter Baumgartner-PowerBook"
steht auf dem Cover der CD mit Improvisationen, die er -
geprägt durch die intensive Auseinandersetzung mit
Martin Heidegger - "Das alltägliche Selbstsein"
betitelt hat: Baumgartner, 1967 geboren, tritt viermal in
Basler Brockenstuben auf.
Baumgartners "Loop-Brocktober" ist das erste Projekt,
das er komplett in Eigenregie durchgezogen hat.
Im Grunde liegt die Parallele zwischen dem Second-Hand-Gedanken
der "Brockis" und dem Sampling-Vorgang durch den
Computer auf der Hand. Aber Baumgartner hat nicht die blosse
Beschallung der Orte im Sinn. Die Grenzen zwischen Klanginstallation
und Konzertrahmen sind fliessen: Es geht ihm um diese Schnittstelle
zwischen Alltag und (aus dem Alltag herausgehobener) Konzert-Situation.
Er gestaltet längere, beatlose Kompositionen, die sich
viel Zeit nehmen. Das unterscheidet sein Projekt wohltuend
von der gnadenlos durchgestylten, aus Zürich importierten
Beat-Tapete namens "Rundfunk.fm", die derzeit
an ausgewählten "In-Places" und auf Radio
X durchexerziert wird.
Zwischen den 100000 Büchern des "Bücher-Brockis"
im Gundeli gestaltet Baumgartner am Abend eine halbstündige
Komposition, die er mit Regengeräuschen, Glasklängen
und Kuhglocken rahmt. In der Mitte kommen die Papier- und
Lüftungsgeräusche zu Ehren, die beim Nachmittagsauftritt
einen Fonds legten.
Am Nachmittag traten die Stimmen und Schritte der Kundschaft,
der Bedienung, Das Hupen, Handys und ein Rasenmäher
auf dem Dach mit den Klängen in einen Dialog. Als die
Klänge verstummt sind, empfand ich einen Verlust wie
über einen Freund, der fort ist: Ich war wieder allein
mit mir selbst.
Baumgartner, der mit Pedalen und zusätzlich angehängten
Geräten (Keyboard, "MIDI"-Regler) eine ergonomische
Stellung für sein Spiel wählt, hat am frühen
Nachmittag noch Aufnahmen gemacht. Wie er mit kleinsten
und sorgfältigsten Bewegungen des Aufnahme-Miks weite
Klangräume durchmisst, mache für ihn das Element
des eigentlich Virtuosen bei seiner Arbeit aus.
Erschienen in der Basellandschaftlichen
Zeitung (hier leicht gekürzt)
4
Matineen: Musik,
Reflexion & Diskussion
Musikakademie, Haus Kleinbasel, Rebgasse
70, 4058 Basel
Sonntag, 11.00 – 12.30 Uhr
11. Februar 2007mit
Mischa Käser:
18. März 2007 mit Matthias Schwabe:
Sichtbare Musik
(visual music)
29. April 2007 mit Sylwia Zytynska:
Geste(r)n und Morgen
13. Mai 2007 mit Peter Baumgartner:
Kritik der Geste
1
Soiree: 4
Porträts
Gare du Nord, im Badischen
Bahnhof, Schwarzwaldallee 200, 4058 Basel
Samstag, 2. Juni 2007
18.00
1. Porträt (genaue Angaben folgen)
19.00
2. Porträt
20.00
3. Porträt
21.00
4. Porträt
Mischa
Käser –
Stimme, Hansjürgen
Wäldele - Oboe,
Nicolas
Rihs - Fagott,
Matthias Schwabe – Klavier,
Sylwia Zytynska – Schlagzeug,
Peter Baumgartner –
Powerbook
20.-/10.-* pro Matinee, 30.-/20.-/10.-*
Soiree, 80.-/60.-/40.-* alle Matineen inkl. Soiree
*Ermässigung für
SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre
Der Eintritt gilt für
alle 4 Porträts am 2. Juni

Herzlichen
Dank
der Musik-Akademie
der Stadt Basel - Allgemeine Musikschule (Freie Kurse),
dem Fachausschuss BS/BL Musik, der Schweizer Kulturstiftung
Pro Helvetia, dem Migros Kulturprozent, der Kulturstiftung
Winterthur, der Artephila Stiftung für ihre Unterstützung
!
. 
. 

frühere Veranstaltungen:
14.
Dezember 2003
Matthias
Arter
Ensemble: Ist ein Solist einsam? Verderben
viele Köche den Brei?
25. Januar
2004
Rudolf
Lutz
Idiom und Freiheit: Von stilistischen Einschränkungen
und einigen illusionären Visionen.
14. März
2004
Alfred
Zimmerlin
Plan: Theoriebildung in der Improvisation.
Beobachtungen an den Wurzeln
der Musik.
25. April
2004
Walter
Fähndrich
Halt und Makel: Gibt es objektive Qualitätskriterien
für Musik?
Kann eine Improvisation "scheitern"?
6. Juni
2004
John
P. MacKeown
Spiel: Der Homo ludens in der Musik. Eine
etwas verspielte Musikgeschichte
16.
Januar 2005
Peter
K Frey
Improvisierte Musik im Internet:
Möglichkeiten dieses Mediums für die improvisierte
Musik
27.
Februar 2005
Marianne
Schuppe
An den Rändern der Sprache:
vom Spiel mit Bedeutungen
22.
Mai 2005
Christoph
Schiller
Präparieren,
Manipulieren:
die Bedeutung der sogenannten Klangforschung in der improvisierten
Musik
19.
Juni 2005
Lukas
Rohner
Mehrstimmiges
Blasen:
Begegnungen von Mehrklängen auf Oboe und Fagott mit
neuerfundenen Tastenblasinstrumenten
12.
Juni 2005
“Faites
vos Jeux”
Nocturne-Konzert:
Peter K Frey-
Kontrabass, Marianne
Schuppe
- Stimme, Christoph Schiller - Klavier, Lukas Rohner - Tastenblasinstrumente,
Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs
- Fagott
22.
Januar 2006
Urban Mäder
Es
gibt nur Improvisation
12.
Februar 2006
Philippe
Micol
Improvisation: Die
Kraft der Freiheit
26.
März 2006
Michel
Seigner
"Freie Improvisation"- Ein irreführender
Begriff
7.
Mai 2006
Hans-Jürg
Meier
Formale Verpflichtungen aus dem Moment
1.
Juni 2006
Nocturne-Konzert
von
und mit: Hans-Jürg Meier – Blockflöten,
Hansjürgen
Wäldele - Oboe,
Philippe Micol – Klarinette/Saxophon, Nicolas
Rihs - Fagott, Michel
Seigner – Gitarre/Electronics, Urban Mäder –
Klavier