4. Matinee mit Hans-Jürg Meier
22.1.-1.6.2006 Wie "frei" ist Freie Improvisation? 4 Matineen + 1 Nocturne
 
   
 
 
 

vom Potential einer musikalischen Geste
Aspekte der Freien Improvisation

 

Wie „frei“ ist Freie Improvisation?
Wo mündet Freiheit in Beliebigkeit?
Von der Kraft der Grenzen und der Lust ihrer Beschreitung.

 

4. Matinee mit Musik, Reflexion und Diskussion

Sonntag, 7. Mai 2006, 11.00 - 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse 70, 4058 Basel

Hansjürgen Wäldele, Nicolas Rihs und Hans-Jürg Meier

 

Formale Verpflichtungen aus dem Moment

"Die Freie Improvisation wird als die Art der Musikerzeugung beschrieben, die aus dem Moment Musik erfindet. Bleibt sie im Moment verhaftet oder geht sie formale Verpflichtungen ein, die in die Zukunft und in die Vergangenheit hinausschauen?
Formbildende Momente sind Einzelelemente der Musik, die eine Funktion im Hinblick auf die Gesamtschau des ‚Stückes’ übernehmen. Die Elemente spielen eine Rolle in der Unterteilung der Zeit. Oder mit architektonischen Begriffen umschrieben: die Elemente rhythmisieren die Horizontale in der Vertikalen. Sie stecken den Raum ab, indem wir uns mit dem Stück befinden, und sie verweisen kraft ihrer Gestalt, die beispielsweise eine Verkleinerung der Grossform annehmen kann, auf die Art der Form des Ganzen.
Im Erklingen von Musik hat das Erkennen der Form unweigerlich mit dem Gedächtnis zu tun, da die Erinnerung an das schon Gehörte nur im eigenen Gedächtnis greifbar bleibt. Es ist nicht möglich, zu einer Stelle zurückzukehren, wie es in einer Bildbetrachtung oder beim Erkunden eines Bauwerkes möglich ist. Das Gedächtnis des Rezipienten – mit der Erinnerung an die eigene Biographie, mit deren Hilfe die sogenannten Assoziationen erst entstehen können – ist das Tor zum Eintritt in ein musikalisches Kunsterlebnis. Wenn nun eine musikalische Begebenheit so wichtig ist, dass sie zur Erfassung der Bedeutung des Stückes unentbehrlich ist, dann muss sich das Element gleichsam in das Gedächtnis des Rezipienten einbrennen. Die Mittel dazu sind mannigfaltig: einen markanten Umriss, ein einmalig auftretendes musikalisches Ereignis, eine aus dem Kontext herausfallende Dynamik, und nicht zuletzt die Wiederholung eines Elementes. Wahrscheinlich sind Wiederholung und Variation sogar die elementarsten Begriffe der Formbildung in der Musik.
In der Freien Improvisation hat Form zu tun mit dem Formbewusstsein der SpielerInnen. Wahrscheinlich sind Begriffe wie Proportion, Symmetrie und goldener Schnitt prägender als es uns allen lieb ist; sie sind in uns verankert. Sie zu verleugnen hiesse, das kulturell gebildetet Menschliche am Menschen abzuschneiden. Dies bedeutet jedoch nicht, sich in der formalen Gestaltung der Musik auf das Erfüllen dieser Begriffe zu beschränken. Aber das Setzen eines spürbaren Ungleichgewichtes funktioniert nur, wenn dem Setzer das Ebenmass bewusst ist.
Die in der Musiktheorie so beliebte, fast wäre ich versucht zu sagen alleinseligmachende Sonatensatzform scheint mir in der Praxis nicht so wichtig zu sein. Sie ist zwar eine wichtige musikalische Errungenschaft, welche jedoch nur im funktionsharmonischen und periodisch rhythmisierten Kontext funktioniert. Wir dürfen sie gut und gerne ausser Acht lassen und uns archaischeren Formmodellen oder Anregungen aus Malerei und Architektur zuwenden."

hans-jürg meier, 08.08.05


 

Hans-Jürg Meier

1964 geboren in Thalwil, aufgewachsen in Rüschlikon ZH
1987-90 Chorleiterkurse bei Karl Scheuber und Stephan Simeon
1989-94 Blockflötenstudium bei Conrad Steinmann an der Schola Cantorum Basiliensis
1990-95 Kompositionsstudium bei Roland Moser an der Musikhochschule Basel
Meisterkurse bei Pedro Memelsdorff
mehrmalige Teilnahme an der Werkstatt für Neue Musik am Konservatorium Biel bei Gerd Lünenbürger
1994-99 Mitglied des Blockflötentrios Six hands
seit 1994 Konzerte vorwiegend mit Neuer Musik
Kompositionen für Instrumentalensembles und Chor, oft unter Einbezug von räumlichen Aspekten
Klangperformances und Klanginstallationen
1997-2001 Mitarbeit im Kaskadenkondensator im Warteck p.p., Basel (Raum für Musik, Performance und Kunst)
seit 1997 Chorleiter von banda di voci, Konzertprogramme mit alter und neuer Musik, oft mit choreographischen Elementen
interdisziplinäre Arbeiten (Film, Theater, bildende Kunst)
Klanginstallationen
seit 1998 Beschäftigung mit frei improvisierter Musik:
Duo mit Christoph Schiller, Klavier
Quartett babels besen mit Margarete Huber, Stimme; Markus Wettstein, Metallobjekte und Melodica (beide Berlin); Christoph Schiller und Hans-Jürg Meier (beide Basel)
1999/2000 Dirigierkurse an der Musikhochschule Zürich bei Tsung Yeh
seit 1999 Mitarbeit in der künstlerischen Leitung des Festival für improvisierte und komponierte zeitgenössische Musik, Basel
2001 Mit babels besen Gewinner des Preises Marguerite de Reding
seit 2002 Chorleiter vom Capriccio-Chor, Birsfelden
2005 Mitglied des Istituto Svizzero di Roma

 

Weitere Daten sind auf folgenden Homepages zu finden:
www.musicedition.ch oder www.musinfo.ch

 

weitere Veranstaltungen:

 

4 Matineen: Musik, Reflexion und Diskussion
Allgemeine Musikschule Haus Kleinbasel, Rebgasse 70, 4058 Basel

Sonntag, 22. Januar 2006, 11h00-12h30 mit Urban Mäder
Sonntag, 12. Februar 2006, 11h00-12h30 mit Philippe Micol
Sonntag, 26. März 2006, 11h00-12h30 mit Michel Seigner
Sonntag, 7. Mai 2006, 11h00-12h30 mit Hans-Jürg Meier

 

1 Nocturne-Konzert
Gare du Nord, im Badischen Bahnhof, Schwarzwaldallee 200, 4058 Basel

Donnerstag, 1. Juni 2006, 19h30 Millefleurs und Gäste – Eine Konzertreihe

Donnerstag, 1. Juni 2006, 21h00
Hans-Jürg Meier
– Blockflöten, Hansjürgen Wäldele - Oboe,
Philippe Micol – Klarinette/Saxophon,
Nicolas Rihs - Fagott,
Michel Seigner – Gitarre/Electronics, Urban Mäder – Klavier

 

20.-/10.-* pro Matinee, 30.-/20.-/10.-* Nocturne°, 80.-/60.-/40.-* alle Matineen inkl. Nocturne°

*Ermässigung für SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre
°Der Eintritt gilt ebenfalls für das Millefleurs Konzert am 1. Juni um 19.30

 

 

Herzlichen Dank der Musik-Akademie der Stadt Basel (Freie Kurse), dem Fachausschuss BS/BL Musik, dem Migros Kulturprozent, der Kulturstiftung Winterthur, der Schweizerischen Interpreten-Stiftung, dem Schweizerischen Tonkünstlerverband für ihre Unterstützung !

 

 

 

 

frühere Veranstaltungen:

 

14. Dezember 2003
Matthias Arter
Ensemble: Ist ein Solist einsam? Verderben viele Köche den Brei?

25. Januar 2004
Rudolf Lutz
Idiom und Freiheit: Von stilistischen Einschränkungen und einigen illusionären Visionen.

14. März 2004
Alfred Zimmerlin
Plan: Theoriebildung in der Improvisation. Beobachtungen an den Wurzeln
der Musik.

25. April 2004
Walter Fähndrich
Halt und Makel: Gibt es objektive Qualitätskriterien für Musik?
Kann eine Improvisation "scheitern"?

6. Juni 2004
John P. MacKeown
Spiel: Der Homo ludens in der Musik. Eine etwas verspielte Musikgeschichte

16. Januar 2005
Peter K Frey
Improvisierte Musik im Internet
: Möglichkeiten dieses Mediums für die improvisierte Musik

27. Februar 2005
Marianne Schuppe
An den Rändern der Sprache:
vom Spiel mit Bedeutungen

22. Mai 2005
Christoph Schiller
Präparieren, Manipulieren: die Bedeutung der sogenannten Klangforschung in der improvisierten Musik

19. Juni 2005
Lukas Rohner
Mehrstimmiges Blasen: Begegnungen von Mehrklängen auf Oboe und Fagott mit neuerfundenen Tastenblasinstrumenten

12. Juni 2005
“Faites vos Jeux”
Nocturne-Konzert: Peter K Frey
- Kontrabass, Marianne Schuppe - Stimme, Christoph Schiller - Klavier, Lukas Rohner - Tastenblasinstrumente, Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs - Fagott

 
Nicolas Rihs 0(041)32 / 322 17 53
 
Hansjürgen Wäldele 0(049)762 61041
 
  Up               
 
Stand: 09.03.2006