vom Potential einer musikalischen
Geste
Aspekte der Freien Improvisation
Wie „frei“
ist Freie Improvisation?
Wo mündet Freiheit in Beliebigkeit?
Von der Kraft der Grenzen und der
Lust ihrer Beschreitung.
4. Matinee
mit Musik, Reflexion und Diskussion
Sonntag, 7.
Mai 2006, 11.00 - 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse
70, 4058 Basel
Hansjürgen Wäldele,
Nicolas Rihs und Hans-Jürg Meier
Formale
Verpflichtungen aus dem Moment
"Die
Freie Improvisation wird als die Art der Musikerzeugung
beschrieben, die aus dem Moment Musik erfindet. Bleibt sie
im Moment verhaftet oder geht sie formale Verpflichtungen
ein, die in die Zukunft und in die Vergangenheit hinausschauen?
Formbildende Momente sind Einzelelemente der Musik, die
eine Funktion im Hinblick auf die Gesamtschau des ‚Stückes’
übernehmen. Die Elemente spielen eine Rolle in der
Unterteilung der Zeit. Oder mit architektonischen Begriffen
umschrieben: die Elemente rhythmisieren die Horizontale
in der Vertikalen. Sie stecken den Raum ab, indem wir uns
mit dem Stück befinden, und sie verweisen kraft ihrer
Gestalt, die beispielsweise eine Verkleinerung der Grossform
annehmen kann, auf die Art der Form des Ganzen.
Im Erklingen von Musik hat das Erkennen der Form unweigerlich
mit dem Gedächtnis zu tun, da die Erinnerung an das
schon Gehörte nur im eigenen Gedächtnis greifbar
bleibt. Es ist nicht möglich, zu einer Stelle zurückzukehren,
wie es in einer Bildbetrachtung oder beim Erkunden eines
Bauwerkes möglich ist. Das Gedächtnis des Rezipienten
– mit der Erinnerung an die eigene Biographie, mit
deren Hilfe die sogenannten Assoziationen erst entstehen
können – ist das Tor zum Eintritt in ein musikalisches
Kunsterlebnis. Wenn nun eine musikalische Begebenheit so
wichtig ist, dass sie zur Erfassung der Bedeutung des Stückes
unentbehrlich ist, dann muss sich das Element gleichsam
in das Gedächtnis des Rezipienten einbrennen. Die Mittel
dazu sind mannigfaltig: einen markanten Umriss, ein einmalig
auftretendes musikalisches Ereignis, eine aus dem Kontext
herausfallende Dynamik, und nicht zuletzt die Wiederholung
eines Elementes. Wahrscheinlich sind Wiederholung und Variation
sogar die elementarsten Begriffe der Formbildung in der
Musik.
In der Freien Improvisation hat Form zu tun mit dem Formbewusstsein
der SpielerInnen. Wahrscheinlich sind Begriffe wie Proportion,
Symmetrie und goldener Schnitt prägender als es uns
allen lieb ist; sie sind in uns verankert. Sie zu verleugnen
hiesse, das kulturell gebildetet Menschliche am Menschen
abzuschneiden. Dies bedeutet jedoch nicht, sich in der formalen
Gestaltung der Musik auf das Erfüllen dieser Begriffe
zu beschränken. Aber das Setzen eines spürbaren
Ungleichgewichtes funktioniert nur, wenn dem Setzer das
Ebenmass bewusst ist.
Die in der Musiktheorie so beliebte, fast wäre ich
versucht zu sagen alleinseligmachende Sonatensatzform scheint
mir in der Praxis nicht so wichtig zu sein. Sie ist zwar
eine wichtige musikalische Errungenschaft, welche jedoch
nur im funktionsharmonischen und periodisch rhythmisierten
Kontext funktioniert. Wir dürfen sie gut und gerne
ausser Acht lassen und uns archaischeren Formmodellen oder
Anregungen aus Malerei und Architektur zuwenden."
hans-jürg
meier, 08.08.05

Hans-Jürg Meier
1964 geboren in Thalwil,
aufgewachsen in Rüschlikon ZH
1987-90 Chorleiterkurse bei Karl Scheuber und Stephan Simeon
1989-94 Blockflötenstudium bei Conrad Steinmann an
der Schola Cantorum Basiliensis
1990-95 Kompositionsstudium bei Roland Moser an der Musikhochschule
Basel
Meisterkurse bei Pedro Memelsdorff
mehrmalige Teilnahme an der Werkstatt für Neue Musik
am Konservatorium Biel bei Gerd Lünenbürger
1994-99 Mitglied des Blockflötentrios Six hands
seit 1994 Konzerte vorwiegend mit Neuer Musik
Kompositionen für Instrumentalensembles und Chor, oft
unter Einbezug von räumlichen Aspekten
Klangperformances und Klanginstallationen
1997-2001 Mitarbeit im Kaskadenkondensator im Warteck p.p.,
Basel (Raum für Musik, Performance und Kunst)
seit 1997 Chorleiter von banda di voci, Konzertprogramme
mit alter und neuer Musik, oft mit choreographischen Elementen
interdisziplinäre Arbeiten (Film, Theater, bildende
Kunst)
Klanginstallationen
seit 1998 Beschäftigung mit frei improvisierter Musik:
Duo mit Christoph Schiller, Klavier
Quartett babels besen mit Margarete Huber, Stimme; Markus
Wettstein, Metallobjekte und Melodica (beide Berlin); Christoph
Schiller und Hans-Jürg Meier (beide Basel)
1999/2000 Dirigierkurse an der Musikhochschule Zürich
bei Tsung Yeh
seit 1999 Mitarbeit in der künstlerischen Leitung des
Festival für improvisierte und komponierte zeitgenössische
Musik, Basel
2001 Mit babels besen Gewinner des Preises Marguerite de
Reding
seit 2002 Chorleiter vom Capriccio-Chor, Birsfelden
2005 Mitglied des Istituto Svizzero di Roma
Weitere Daten sind auf folgenden
Homepages zu finden:
www.musicedition.ch
oder www.musinfo.ch
weitere Veranstaltungen:
4
Matineen: Musik, Reflexion und Diskussion
Allgemeine Musikschule Haus Kleinbasel,
Rebgasse 70, 4058 Basel
Sonntag, 22. Januar
2006, 11h00-12h30 mit Urban
Mäder
Sonntag, 12.
Februar 2006,
11h00-12h30 mit Philippe
Micol
Sonntag, 26.
März 2006,
11h00-12h30 mit Michel
Seigner
Sonntag, 7.
Mai 2006, 11h00-12h30
mit Hans-Jürg Meier

1
Nocturne-Konzert
Gare du
Nord, im Badischen Bahnhof, Schwarzwaldallee 200, 4058 Basel
Donnerstag,
1. Juni 2006, 19h30 Millefleurs
und Gäste – Eine Konzertreihe
Donnerstag,
1. Juni 2006, 21h00
Hans-Jürg
Meier –
Blockflöten, Hansjürgen
Wäldele - Oboe,
Philippe Micol – Klarinette/Saxophon,
Nicolas
Rihs - Fagott,
Michel Seigner – Gitarre/Electronics,
Urban Mäder – Klavier
20.-/10.-* pro Matinee, 30.-/20.-/10.-*
Nocturne°, 80.-/60.-/40.-* alle Matineen inkl. Nocturne°
*Ermässigung für
SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre
°Der Eintritt gilt
ebenfalls für das Millefleurs Konzert am 1. Juni um
19.30
Herzlichen Dank
der Musik-Akademie
der Stadt Basel (Freie Kurse), dem Fachausschuss BS/BL Musik,
dem Migros Kulturprozent, der Kulturstiftung Winterthur,
der Schweizerischen Interpreten-Stiftung, dem Schweizerischen
Tonkünstlerverband für ihre Unterstützung
!


frühere Veranstaltungen:
14.
Dezember 2003
Matthias
Arter
Ensemble: Ist ein Solist einsam? Verderben
viele Köche den Brei?
25. Januar
2004
Rudolf
Lutz
Idiom und Freiheit: Von stilistischen Einschränkungen
und einigen illusionären Visionen.
14. März
2004
Alfred
Zimmerlin
Plan: Theoriebildung in der Improvisation.
Beobachtungen an den Wurzeln
der Musik.
25. April
2004
Walter
Fähndrich
Halt und Makel: Gibt es objektive Qualitätskriterien
für Musik?
Kann eine Improvisation "scheitern"?
6. Juni
2004
John
P. MacKeown
Spiel: Der Homo ludens in der Musik. Eine
etwas verspielte Musikgeschichte
16.
Januar 2005
Peter
K Frey
Improvisierte Musik im Internet:
Möglichkeiten dieses Mediums für die improvisierte
Musik
27.
Februar 2005
Marianne Schuppe
An den Rändern der Sprache:
vom Spiel mit Bedeutungen
22.
Mai 2005
Christoph
Schiller
Präparieren,
Manipulieren:
die Bedeutung der sogenannten Klangforschung in der improvisierten
Musik
19.
Juni 2005
Lukas
Rohner
Mehrstimmiges
Blasen:
Begegnungen von Mehrklängen auf Oboe und Fagott mit
neuerfundenen Tastenblasinstrumenten
12.
Juni 2005
“Faites
vos Jeux”
Nocturne-Konzert:
Peter K Frey-
Kontrabass, Marianne
Schuppe
- Stimme, Christoph Schiller - Klavier, Lukas Rohner - Tastenblasinstrumente,
Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs
- Fagott