renekrebstrio
 
   

.René Krebs, trumpet - Hansjürgen Wäldele, oboe - Nicolas Rihs, bassoon

 
 
 

"Unerhörtes in Zürich"

Konzert
Montag, 23.11.2009
Theater Rigiblick

René Krebs Trio
Nicolas Rihs - Fagott, Hansjürgen Wäldele - Oboen, René Krebs - Trompeten, Flügelhorn, Meeresschnecken, (Tritonshorn), etc.

Ein exquisites Klangmenue für Musikgourmet. Raritäten und Köstlichkeiten für Neugierige, Experimentierfreudige und Suchende von ungewohnten Klangreisen.

http://www.quartierkultur-kreis6.ch/cms/index.php?&idcat=7&idart=237

 

 

 

Zürich_online, 17. März 2008

Wo Meeresschnecken sich Respekt erspielen
«Löffelweise schleppen sie Zuversicht durch die Pforten», näselt der Mann mit geschlossenen Augen, eine Oboe in der Hand, seine hüftlangen Haare über die Schulter geworfen.

Das René Krebs Trio im Qbus
Die Pforten sind in diesem Fall die schweren Schiebetore des Qbus-Kulturraumes, die Zuversicht bringen die drei Improvisationsmusiker gleich selbst mit, denn sie spielen an diesem Freitagabend vor spärlichem Publikum.Der Qbus wird von offizieller Seite stolz als der «kleine Schiffbau der Stadt Uster» bezeichnet. Hier soll Kultur gefördert werden. Der Raum würde neben dem ganzen kreativen Potenzial von Uster auch noch 150 sitzende Zuschauer fassen, die gewillt sind, sich der Kleinkunst hinzugeben, dem Unbequemen auszusetzen, oder sich wagemutig dem unmittelbar Erfahrbaren zu stellen.
Intuitiver Spieltrieb
Heute Abend sind es drei Musiker auf der Bühne, die neben dem technischen Beherrschen ihrer Instrumente jede Menge intuitiven Spieltrieb zu bieten haben. Hansjürgen Wäldele spielt die Oboe (oder manchmal auch nur auf Teilen von ihr), Nicolas Rihs das Fagott und René Krebs die Trompete, sowie zwei mächtige Meeresschnecken.

Freilich ist von letzteren nur noch das Gehäuse übrig, deren spitz zulaufendes Ende abgesägt und vom Musizierenden als Mundstück benutzt wird. Ihr Ton klingt erwartungsgemäss nach Wind und Meer. Der Klang vermag dennoch keinen Poseidon heraufzubeschwören, zu irdisch ist die Geräuschkulisse der Mitmusizierenden.
Der eingangs zitierte Wäldele harrt mit seiner Oboe in der Hand und geschlossenen Augen der Spontaneinfälle, die da in seinem Kopf entstehen: «Günther grinst», sagt er laut in den Raum. Und: «Thomas turnt. Ferdinand furzt. Stefan steht.» Schliesslich: «Thomas schwitzt.» Das Publikum ist baff. Im Hintergrund ein heiteres Geschwätz von Fagott und Trompete, die bald im gekonnten Daneben keuchen, bald aus dem letzten Loch pfeifen, ohne sich um Harmonie oder stimmige Akkorde zu kümmern.
Ist solche Musik kritisierbar?
Als Wäldele schliesslich sein Instrument an die Lippen setzt, ist die Spannung perfekt: Wird die Oboe wie eine Oboe klingen, oder wird sie kreischend anheben wie die Plastikflöte eines Dreijährigen? Ist derlei Musik noch kritisierbar? Die Frage schwebt wie ein Damoklesschwert im Raum, als die Musiker sich im anschliessenden Gespräch der Kritik des Publikums stellen.

Nein, ist sie nicht. Und daran scheint die Runde der drei Musiker spitzbübische Freude zu haben. Ausserdem: Es gibt kein Regelwerk, keine stilistische Vorgabe, die Geltung hätte. Einzige Bedingung für das Improvisieren im Trio sei hier der gegenseitige Respekt. Den Respekt des Publikums haben sich die drei auf jeden Fall durch beeindruckenden künstlerischen Mut und die Fähigkeit zur Selbstironie erspielt.

Katharina Bracher

 

(Foto: Lucian Hunziker)

 

 

 

Basellandschaftliche Zeitung, 17. März 2008

Emotion vs. Intellekt
In der Konzertreihe «Kritik» wird nach Konzepten zur Bewertung von frei improvisierter Musik gesucht

«Kritik - Aspekte der Freien Improvisation 2008» lautet der Arbeitstitel einer vierteileigen Konzertreihe in der Imprimerie Basel, die sich mit der Frage beschäftigt, ob es Objektivität bei der Beurteilung von Musik gibt. Diese Frage stellt sich ganz besonders bei der frei improvisierten Musik, wo keine Partitur mit objektiv nachvollziehbaren Angaben vorliegt und die Musiker auf sie einfliessende Ideen von Spieltechnik, Klang, Reaktionsmuster, Form, Ablauf etc. zu einem sinnvollen Ganzen zusammen zu bringen versuchen. Streng genommen können nur die Musiker selber beurteilen, ob dies gelungen ist oder nicht. Beim zweiten Konzert dieser Reihe war es das René Krebs Trio, das die Aufgabe übernahm, dem Publikum und zwei «Kritikern» eine halbstündige freie Improvisation vorzuspielen.
Mit ein paar intensiven Tönen auf einem kleinen Muschelhorn eröffnete René Krebs die Improvisation, Töne, die wenig später in weit gespannte, stufenlose Schleifer nach oben und unten übergingen. Darauf stieg Nicolas Rihs ein, der den dünnen Hals seines Fagotts ohne Mundstück blies. Wie ein ruhender Pol zwischen den beiden experimentell spielenden Mitmusikern stieg schließlich der Oboist Hansjürgen Wäldele in die Improvisation mit ein. Während René Krebs wiederholt sein Instrument wechselte, mal griff er zu einem speziell präparierten Flügelhorn, mal zur Trompete und schliesslich noch zu einem riesigen, schön anzuschauenden Muschelhorn, um ihnen die eigenartigsten Töne und Klänge zu entlocken und auch Nicolas Rihs seinem Fagott ein Kesselmundstück aufsetzte und in avantgardistischen Klangkaskaden schwelgte, beschränkte sich Hansjürgen Wäldele eher auf spartanisch knapp gespielte Töne und Tonfiguren. Immer wieder war im Verlaufe dieser Performance die wohl wichtigste Regel bei freier Improvisation hörbar: wenn zwei das gleicht tun, setzt der dritte einen deutlichen Kontrapunkt; wenn beispielsweise zwei der Musiker ruhige Liegetöne spielen, legt der dritte abgehackte, schnelle Staccato-Ketten oder nervöse Trillerfiguren darüber.
Nach dem kurzen Konzert dann kommentierten unter der Leitung von Thomas Meyer zwei «Kritiker» das Gehörte. Der Essayist und Kritiker Sebastian Kiefer aus Berlin erklärte, dass ein intellektuelle Herangehensweise an frei improvisiert Musik für ihn eher hinderlich sei und ein emotionaler Zugang besser Resultate bei der Beurteilung dieser Musik bringen würde. Der Komponist Roland Moser wiederum erklärte vor allem die Neugier zur Leitidee bei der Bewertung dieser Musik: warum hat dieser Musiker jetzt gerade diese Phrase gespielt, warum jener nur einen Ton; und wie hat beispielsweise René Krebs sein Flügelhorn präpariert, an dessen Mundstück ein eigenartiges Plastiksäckchen hing. Die drei Musiker wiederum erklärten, dass sie sich beim Spielen in erster Linie von intuitiv-emotionalen Kriterien leiten ließen, wobei aber natürlich auch verstandesmäßig gefällte Entscheidungen über Spieltechnik und Form für eine gelungene Improvisation eine wichtige Rolle spielten.

Rolf de Marchi

 

Wochenblatt, 13. März 2008

Musiker finden gemeinsame Sprache
Aspekte der freien Improvisation im Kulturzentrum Kesselhaus / Gesprächsrunde im Anschluss

Well am Rhein.
Die Trompete fangt mit tiefen grummeln den Tönen an, eine Oktave tiefer; das Fagott macht seine eigenen Einwürfe und die Klarinette antwortet. Wir sind hier aber nicht in der Kammermusik, im Quartett, oder dem Trio, wo man sich gepflegt musikalisch unterhält. Wir sind auch nicht im Jazz, wo über ein Thema improvisiert wird, wir sind bei „Aspekten der freien Improvisation" im Kulturzentrum Weiler Kesselhaus.
Wie klingt es also, wenn drei Musiker aus verschiedenen Welten kommen und versuchen, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln? Der Oboist Hansjürgen Wäldele und der Fagottist Nicolas Rihs kennen sich seit 20 Jahren und kommunizieren auf vertraute improvisatorische Weise. Der Gast-Trompeter Rene Krebs kommt vom Jazz und Free Jazz, Wäldele ist in der Barockmusik wie in der Neuen Musik zu Hause.
Und schließlich hat die Barockmusik viel mit Jazz gemeinsam, sie sind gar nicht so weit auseinander wie man vielleicht meint. Es sind verschiedene Dialekte des gleichen Sprachphänomens, Slangs, die bei der freien Improvisation vehement aufeinanderprallen. Denn in der Improvisation geht es um intuitive Entscheidungen, um Klangerweiterung und Geräuscherzeugung. Nebenbei wollen die Musiker sich auch selbst damit vergnügen. Und wenn es gelingt, geistreich zu formulieren, ist der Humor in der Musik nicht weit.
Natürlich gibt es auch, wenn die Drei von der Klangbaustelle zusammen loslegen, Verständigungsprobleme, Kämpfe, wird auch mal gegeneinander gespielt, klingt es konträr. Aber das ist ja ein altes Prinzip der Musik, der Kontrast, das wusste schon Johann Sebastian Bach. Daraus ergeben sich Spannung und Entspannung, Dynamik, Dramaturgie im Stück; manche Eingebung dieser Augenblicksmusik hat gewisse Längen oder komische Schlüsse.
Wäldele nimmt noch die Stimme dazu: das klingt mal wie eine singende Säge oder wie ein Theremin. Der Jazzer Krebs bemüht sich um die rhythmischen Grundmuster, versucht die Musik zu erspüren, ja zu „erriechen", greift auch mal zum Muschelhorn, das dumpf dröhnt und neue Klangfarben ergibt (schlussendlich ist der Ton physikalisch dem Geräusch verwandt).
So kommt es zu einer ganz spontanen musikalischen Performance, bei der es keinerlei Absprachen gibt, was gespielt wird oder wie das Stück geartet ist. Mauricio Kagel sei Dank, der das alles vorgemacht hat mit der Gartenschlauchtrompete!
Das Improvisieren wirft auch Fragen auf. Der „vierte Partner", also der Zuhörer, ist schon mal verunsichert, hat seine eigene Hörerwartung. Und so dauert die anschließende Gesprächsrunde bei diesem „Heimspiel" fast so lang wie das Konzert.

Meister der freien Improvisation: Nicolas Rihs, Hansjürgen Wäldele und Rene Krebs (von links) im Weiler Kesselhaus. Foto: Jürgen Scharf

Jürgen Scharf

 

 

 

 

 
 

René Krebs
Böschstrasse 3
8606 Nänikon
fon: +41 44 940 44 77

www.renekrebs.ch

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Stand: 20.11.2009