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vom
Potential einer musikalischen Geste
Aspekte der Freien Improvisation
3.
Matinee mit
Musik, Referat und Diskussion
Sonntag,
22.
Mai 2005, 11.00
- 12.30 Uhr
Musik-Akademie Basel "Haus Kleinbasel", Rebgasse
70, 4058 Basel
Hansjürgen
Wäldele, Nicolas Rihs und Christoph
Schiller
Präparieren,
Manipulieren:
die Bedeutung der sogenannten Klangforschung in der improvisierten
Musik
Der etwas pathetische Begriff „Klangforschung“
versucht eine Musizierhaltung zu beschreiben, die ihr Hauptohrenmerk
nicht primär aufs Melodische oder Rhythmische richtet,
sondern die Musik in erster Linie von der Arbeit und dem Experimentieren
mit der Klangfarbe aus entwickelt. Das heisst z.B. systematische
Arbeit mit unorthodoxen Spielweisen, „falschem“,
d.h. erweitertem Instrumentengebrauch und „Präparation“
von Instrumenten. Improvisierende Musiker haben auf diesem
Weg ganz individuelle Spieltechniken entwickelt. Aber sie
tauschen sich auch aus und übernehmen Techniken voneinander.
Denn improvisierte Musik ist, mehr als das zurückgezogene
Komponieren, immer auch eine kollektive Angelegenheit.
Man kann nun beobachten, wie sich Spieltechniken bei verschiedenen
Musikern trotz unterschiedlicher Instrumente zum Teil wieder
ähnlich werden, wie jenseits instrumentenspezifischer
Möglichkeiten eine neue kollektive Klangsprache entstanden
ist und sich weiterentwickelt. Die neuen Klänge sind
Ausdruck neuer klanglicher Bedürfnisse, die alten Instrumente
dagegen binden die Musik an eine kulturelle Tradition und
wecken entsprechende Assoziationen.
Es gibt zwei Instrumentengruppen, die eigentlich nicht im
obigen Sinn manipuliert, sondern schon seit jeher „umgebaut“
wurden (was wiederum instrumenten-untypische Spielweisen nicht
ausschließt): das Schlagzeug und die Elektronik (heute
Computer). Beide haben auf die Klangästhetik der neuen
improvisierten Musik enormen Einfluss gehabt. Dabei sind nicht
nur klangliche Vorstellungen, sondern auch handfeste Materialien
(Trommelstöcke, Effektgeräte) von Spielern anderer,
„traditioneller“ Instrumente übernommen worden.
Was verbindet diese Instrumente, Schlagzeug und Elektronik?
Die Antwort ist einfach: die selbstverständliche Möglichkeit
des Geräuschhaften. Die Elektronik steht zudem mit Schnitt,
Loop, Filter und dgl., sowie dem Lautsprecher als eigentlich
klingendem Instrument vielen klanglichen Erfahrungen unserer
Alltagswelt (z.B. „Musik als Geräusch“) so
nahe wie kein traditionelles Instrument. Die klanglichen Ergebnisse
dieser technischen Möglichkeiten werden dann auch mit
traditionellen Instrumenten nachgeahmt: Verzerrereffekte,
überlange Töne, Mischklänge, Schnitte und Brüche,
Rauschen, Loops, Alltagsgeräusche usw.
Mit der Alte-Musik-Bewegung ist auch das Historische der Instrumente
wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Heute
spielt man Barockmusik auf barocken Instrumenten und klassische
Musik auf Instrumenten, die zur Zeit der Entstehung der Stücke
modern waren. Der Standard-Steinway-Flügel und seine
entsprechenden Verwandten anderer Instrumentengruppen ist
ebenso Ausdruck einer vergangenen Zeit. Daß er manipuliert
und sein Klang verändert wird, ist eigentlich sehr natürlich,
wenn es darum geht, zeitgenössische Musik zu machen.
So wie er ist, ist er für eine Musik gebaut, die heute
historisch ist. Wie brauchbar sind für uns heute Instrumente,
deren Konstruktion eine möglichst große Lautstärke
zum Ziel hatte (abgesehen von ihrer Anwendung für historische
Aufführungen)? Eine verstärkte Maultrommel kann
heute ein Fußballstadion ausfüllen – das
Lautstärkeproblem muss nicht mehr mechanisch gelöst
werden. Darum sind auch die leiseren und dafür individueller
und nicht serienmäßig klingenden „alten“
Instrumente, ebenso wie neue Instrumente mit z.T. ganz an
einzelne Personen gebundene Spielweisen wieder interessant
geworden.
Christoph
Schiller
Wurde 1963 in Stuttgart geboren, studierte
zunächst Bildende Kunst an der Kunstakademie Stuttgart
und der HfBK Hamburg. Die Begegnung mit der Musik (und dem
Denken) von John Cage einerseits und dem Freejazz andererseits
gab die entscheidenden Impulse, die in der Bildenden Kunst
gewonnenen Erfahrungen in der Musik weiterzuverfolgen. An
der HfBK Hamburg, an die er 1987 wechselte, entstanden sehr
schnell Kontakte zur Hamburger Improvisatorenszene.
Von 1995-99 studierte er bei Daniel Cholette Klavier, und
gleichzeitig an der Freien Musikschule Basel Musiktheorie.
Diese Ausbildung gab den Anstoss zu einer vermehrten Beschäftigung
mit dem Schreiben von Musik. Die meisten der seit 1997 entstandenen
Kompositionen sind für Stimme(n) geschrieben. Als vorläufiger
Höhepunkt der kompositorischen Arbeit kann die 2001/02
entstandene Oper "eismeer" gelten. Als Pianist hat
sich Christoph Schiller vor allem mit Liedbegleitung beschäftigt.
Neben all dem ist aber das Improvisieren immer Dreh- und Angelpunkt
seiner Arbeit geblieben. Aktuelle Improvisationsgruppen sind
u.a. ein Duo mit Peter Baumgartner, ein Duo mit Hans-Jürg
Meier sowie das Quartett “babels besen" mit Hans-Jürg
Meier, Margarete Huber und Markus Wettstein. Christoph Schiller
ist Mitorganisator des "Festivals für improvisierte
und komponierte zeitgenössische Musik" in Basel,
zusammen mit Hans-Jürg Meier und Dominique von Hahn,
ausserdem Leiter des Vokalensembles "Millefleurs".
Er lebt in Basel und Weil am Rhein.
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