soiree.07
Aspekte der Freien Improvisation: 11.2. - 2.6.2007
 
   
 
 
 

Aspekte der Freien Improvisation

vom Potential einer musikalischen Geste

In der kleinsten musikalischen Geste schlummert oft im Keim eine ganze Oper.
Wird ein wacher Geist das Mögliche hörend erkennen und mit leidenschaftlichem Geschick die bezauberndsten Klänge und phantastischsten Welten schöpfen?
In unserer Reihe „Aspekte der Freien Improvisation“ suchen wir mit unseren Gästen und dem Publikum neue Wege der Auseinandersetzung mit musikalischen Grundfragen.

Hansjürgen Wäldele, Nicolas Rihs und Gäste

 

 

1 Soiree: 4 Porträts

Gare du Nord, im Badischen Bahnhof, Schwarzwaldallee 200, 4058 Basel

Samstag, 2. Juni 2007

Wir geben unseren 4 Gästen "carte blanche": sie werden zum Thema unserer Reihe je 1 Stunde Musik gestalten.

Presse: foto&bio

 

18.00
Die Suche nach dem selbstbestimmten Moment
Konzert
Sylwia Zytynska – Marimba, Vibra, Tam & Grill
Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs - Fagott

 

Ich habe grossen Spass am Improvisieren gefunden, und überhaupt habe ich es satt immer nur Musik von anderen zu spielen. Improvisieren ist für mich nur als "Gespräch" spannend, mit ein, zwei, vielleicht drei Leuten. Es geht mir nicht darum perfekte Stücke zu improvisieren, sondern es gefällt mir eben besonders, fortwährend alles Gespielte in Frage zu stellen, Pläne umzuwerfen und neue Wege zu suchen. Das Ganze ist ein Spiel, bei dem man musikalisch über die eigenen Bedingungen reflektiert und auch mal die Spielregeln verwirft. Es geht mir aber vor allem um Leichtigkeit, darum das Spielen zu geniessen.

Nie weiss ich vorher, was mich erwartet, weder von mir selbst noch von meinem Gegenüber. Die Improvisation sprudelt aus dem Jetzt, auch wenn sie sich natürlich in der Zeit konstruiert.

Früher ist mir das Improvisieren anderer immer als eine sehr private Beschäftigung erschienen. Nun denke ich, dass es gelingen kann, dass Improvisation über reine Nabelschau hinausgehen kann, eine muskalische Geltung haben kann. Ich denke, ein spannendes "musikalisches Gespräch", quasi eine gelungene Improvisation, kann genauso für andere interessant sein, wie eben ein sehr pointiertes oder spannendes öffentliches Gespräch. Darum ist es sehr wichtig wer, wo, mit wem "spricht/spielt" und auch worüber. Mit dem Gesprächscharakter der Improvisation meine ich nicht ein rhetorisches Verhalten, sondern eine emotional und geistig offene Situation zwischen den Beteiligten.

Improvisation sollte doch eigentlich das Brot aller Musiker sein, das Bedürfnis selbst aus dem Bauch, aus dem Kopf die eigene Musik zu machen. Mir zumindest geht es so.

Sylwia Zytynska
1963 in Warszawa (Polen) geboren
Sylwia Zytynska studierte Schlagzeug an der Akademia Muzyczna in Krakow und an der Musikhochschule Basel
Seither konzertierte Sie als Solistin und Kammermusikerin auf vielen Bühnen der zeitgenössischen Musik und spielte zahlreiche CD- und Rundfunk-Aufnahmen ein.
Sie war über 10 Jahre ein festes Mitglied des „Ensembles 13“ in Karlsruhe,
spielte viele Konzerte im Duo mit dem Geiger Egidius Streiff, sowie auch mit dem Quartett „e-motion“ (mit dem Saxophonisten Marcus Weiss, dem Gitarristen Maurizio Grandinetti und dem Pianisten Paolo Alvarez).
In den letzten Jahren stehen vermehrt eigene Projekte, Performances und Kompositionen im Mittelpunkt ihres Schaffens.
Seit vier Jahren verbindet sie mit Marianne Schuppe (Stimme) und Alfred Zimmerlin (Cello) eine intensive Improvisationsarbeit.
Ihr besonderes Interesse für Musiktheater, Neue Musik und Performances führte sie 1991 zum Festival „Neue Musik Rümlingen“, wo sie seither in der Programmgruppe mitwirkt.
Sylwia Zytynska unterrichtet seit 1985 Schlagzeug an der Musik-Akademie der Stadt Basel.
Seit Oktober 2004 leitet Sie Im Gare des Nord im Basel, ein eigenes Gross-Projekt für Kinder und mit Kindern, den „Gare des Enfants“.
Sie war Composer of the Week beim „Musikmonat“ 2001 in Basel und erhielt im selben Jahr den Kulturpreis der Alexander Clavel- Stiftung.
Sylwia Zytynska hat zwei Kinder und lebt in Basel.

 

19.00
Sichtbare Musik
Workshop & Performance mit Zuhörer
Matthias Schwabe
Klingende Materialien

 

Eine musikalische Geste ist immer auch mit einer Körperbewegung verbunden und damit stets hörbar UND sichtbar. Manche Musiker kann man aus diesem Grunde nur mit geschlossenen Augen ertragen, weil ihre Bewegungen die Musik stören, anderen möchte man beim Musizieren unbedingt zusehen. Wenn neben Instrumenten auch klingende Materialien und Aspekte des Raumes einbezogen werden, wird das Sichtbare ganz ausdrücklich zum Bestandteil der Aufführung. Über die Balance zwischen Hör- und Sichtbaren, über Übergänge vom einen ins andere, über spartenübergreifende Kontrapunktik und Homogenität wird es in dieser Veranstaltung gehen. Beispiele aus der Arbeit des Improvisations- und Performance-Ensembles EX TEMPORE, grundsätzliche Überlegungen und praktische Versuche werden dieses Themenfeld von verschiedenen Seiten beleuchten.

Matthias Schwabe, www.matthiasschwabe.com
studierte Komposition und Musiktheorie in Karlsruhe und Hamburg. Ausbildung und Mitarbeit bei Lilli Friedemann in Musikalischer Gruppenimprovisation. Seit 1984 freiberuflich tätig in Berlin als Komponist, Improvisator, Musikpädagoge und Musikpädagogik-Autor. Gründungsmitglied des Improvisationsensembles “Ex Tempore“. Fortbildungstätigkeit im Bereich kreativer Musikpädagogik im In- und Ausland. Lehraufträge am Sozialpädagogischen Institut Berlin und an der Universität der Künste Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen über musikalische Improvisation und Kreativität. Vorsitzender des international tätigen Rings für Gruppenimprovisation www.impro-ring.de. Herausgeber des Ringgesprächs über Musikalische Gruppenimprovisation, der einzigen deutschsprachige Fachzeitung zu Theorie und Praxis improvisierter Musik. Gründer und Leiter des Veranstaltungs- und Fortbildungszentrums für improvisierte Musik exploratorium berlin. www.exploratorium-berlin.de

 

20.00
Kritik der Geste
Installation im „Buffet“ & Aktion im „Bad Bhf“
Peter Baumgartner
Powerbook

 

"Rastlos werfen wir uns umher; wie die irrende Rebe,
Wenn ihr der Stab gebricht, woran zum Himmel sie aufwächst,
Breiten wir über dem Boden uns aus und suchen und wandern
Durch die Zonen der Erd, o Vater Äther! vergebens,
Denn es treibt uns die Lust, in deinen Gärten zu wohnen."

aus: "An den Äther" von Friedrich Hölderlin

 

In meiner Arbeit wird es vor allem um eine Kritik der Geste gehen, die Kritik aber verstanden als Dienst an demjenigen, was hinter der Geste versteckt oder unter ihr begraben liegt.
Ich sehe die Improvisation/Kommunikation als zweischichtiges Phänomen: die Oberflächenschicht der Gesten (oder der Rhetorik) und der unmittelbaren Reaktionen aufeinander - und eine Tiefenschicht, die ich als "Resonanzschicht" bezeichnen werde. Ich meine damit sowas wie "gegenseitiges Verständnis" oder "Gruppenfeeling" (es geht dabei auch um das Wach- oder Mobilisiertwerden durch die sich entwickelnde Kommunikation).
Dabei vermute ich, dass die Entwicklung der zweiten, die ich als "Resonanzschicht" bezeichne, durch ein intensives Agieren auf der Gestenebene nur bedingt zu fördern ist, dass vielmehr Gelassenheit und eine bewusste Zurückhaltung an der Oberfläche den Untergrund quasi nach oben holen und direkter erfahrbar und behandelbar machen.
Die "Kritik der Geste" wird dabei auch über eine Thematisierung der Angst und der Flucht vor tiefgreifender Auseinandersetzung geschehen: was treibt uns so oft dazu, über weite Entfernungen hinweg gestikulierend mit dem Zaunpfahl zu winken, wenn wir uns auch einfach annähern könnten ? Martin Heidegger hat dafür ein sehr schönes und genaues Wort: ent-fernen.

Peter Baumgartner (bloom)
Seit der Matur Autodidakt, Beschäftigung mit Sprache, Kommunikation, Wahrnehmung, Psychologie, Philosophie, Musik und Literatur.
Lebt und arbeitet seit 1990 im Grossraum Basel.
Ab 1998 Auftritte mit lautpoetischen Arbeiten im Übergangsbereich zwischen Sprache und Musik (Basel, Bern, Wil).
Macht seit 1999 improvisierte Musik mit dem Computer und spielt seit demselben Jahr mit Christoph Schiller (Klavier und Spinett) in einem festen Duo (Auftritte in Basel, Zürich, Bern, Mulhouse und Strasbourg).
Spielt als "bloom" solo und in verschiedenen Duos.
Seit kurzem existiert das Quartett "Rosetta Stone" mit P.B., dem Saxophonisten Bertrand Gauguet (Paris), dem Perkussionisten Alexandre Kittel (Mulhouse) und dem Spinet-Spieler Christoph Schiller.
Von Zeit zu Zeit erhält er die Möglichkeit, eine Klanginstallation zu machen (u.a. beim Projekt "Tram-Sphère" in einem ehemaligen Tramdepot in Zürich - und im Treppenhaus des "Progr" in Bern im Rahmen der "Leerraum"-Reihe von Klanginstallationen) oder in einer Aufführung komponierter Musik mitzuwirken (Werke von John Cage, Manfred Werder und Michael Pisaro).
Eine Solo-CD ist 2004 beim Label Leerraum erschienen ("bloom - tristan da cunha"), 2005 eine Duo-CD mit Christoph Schiller beim portugiesischen label creative sources ("Savagnières").
Er schreibt unregelmässig für die Aargauer und die Basellandschaftliche Zeitung und für die Schweizer Zeitschrift für Neue Musik "dissonanz/dissonance" über elektronische, elektroakustische, improvisierte und/oder komponierte zeitgenössische Musik.
Anfang 2006 hat er eine Ausbildung im Bereich Erwachsenenbildung (mit Schwerpunkt "Themenzentrierte Interaktion") begonnen.
Seit 2007 macht der die Pressearbeit des Konzertorganisators moments musicaux Aarau.
Er lebt mit der Pianistin Tanja Masanti zusammen und ist seit 2000 Vater von Lea Lisa Philomena (mit Job-Sharing).
www.sonic-bloom.ch

 

 

21.00
vom Potential einer musikalischen Geste
12 Statements
Mischa Käser – Stimme,
Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs – Fagott

 

Mischa Käser
• geboren 1959 in Zürich
• erste Kompositionen im Kindesalter und das Gefühl, die Welt musikalisch erfahren zu können
• Gitarrenstudium in Winterthur (1978-1982)
• Kompositionsstudien bei Hans-Ulrich Lehmann in Zürich (1985-1989) und Roland Moser in Basel (1985-1989)
• Lautenstudium in Basel an der Schola Cantorum (1987-1989)
• ab 1990 erste Erfahrungen als Theatermusiker und Theaterkomponist, später Regisseur eigener Theater- und Musiktheaterprojekte
• Mitbegründer verschiedner Ensembles, zuletzt des Improvisationstrios III-VII-XII, wo er als Vocalist mitwirkt
• Mischa Käser lebt seit 1985 als Komponist, Regisseur, Musiker und Gitarrenlehrer in Zürich
• Kompositorische Schwerpunkte: Vocalmusik, Kammermusik

Preise
1992 Preisträger des Zürcher Werkjahres
1996 Conrad Ferdinand Meyer Preis
1998 Prix International de Composition musicale „Reine Marie José" 1. Preis für das Orchesterstück "Ordouble“
2004 1. Preis der Schweizerischen Autorengesellschaft SSA für transdisziplinäres Schaffen für das Projekt SOUNDING SCULPTURES
2004 Kompositionspreis des Kantons Zürich

Theater- und Musiktheaterprojekte
1993 Stimmen am Rande (Gessnerallee)
Uraufführung des Kammerspiels „Im Herbst da reiht der Feenwind – Mitteilungen aus der Isolation“ (Texte schizophrener Dichter)
1995 Muthalis (Rote Fabrik)
eine Performance für 3 gebärdesprechende Gehörlose, 3 Tänzer und 3 Musiker
1997 Nettchen (Walserwoche in Biel)(Opernhausstudio in Zürich)
ein mikrodramatisches Singspiel nach Robert Walser für die Oberwalliser Spillit,zwei Schauspielerinnen, einen Schauspieler, Sopran und Tenor.
2000 Herzgewächse – Es dünkt mein Herz mich lang chli färn
(Rote Fabrik und Gastspiel im Stadttheater Basel)
für 3 Stimmen, Kontrabass, Schlagzeug, Breakdancer, mechanische Tiere und Tonband
1999-02 7 Bagatellen – Abgesang
für 2 Schauspieler, 1 Schauspielerin, 1 Kind und 3 Musiker
2002-04 SOUNDING SCULPTURES
eine musiktheatralische installation (Haus Konstruktiv) für 3 schauspieler, 3 tänzer, 3 soprane, 5 musiker, 3 statistinnen, 1 chor, und 100 mechaninsche Tiere

 

Von und mit: Mischa Käser – Stimme, Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs - Fagott, Matthias Schwabe – Klingende Materialien, Sylwia Zytynska – Schlagzeug, Peter Baumgartner – Powerbook

 

Presse: foto&bio

 

Eintritt für alle 4 Porträts: 30.-/20.-/10.-*

*Ermässigung für SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre

 

 

 

 

4 Matineen: Musik, Reflexion & Diskussion
Musikakademie, Haus Kleinbasel, Rebgasse 70, 4058 Basel
Sonntag, 11.00 – 12.30 Uhr

11. Februar 2007mit Mischa Käser:
18. März 2007 mit Matthias Schwabe:
Sichtbare Musik (visual music)
29. April 2007 mit Sylwia Zytynska: Geste(r)n und Morgen
13. Mai 2007 mit Peter Baumgartner: Kritik der Geste

 

20.-/10.-* pro Matinee, 30.-/20.-/10.-* Soiree, 80.-/60.-/40.-* alle Matineen inkl. Soiree

*Ermässigung für SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre
Der Eintritt gilt für alle 4 Porträts am 2. Juni

 

Herzlichen Dank der Musik-Akademie der Stadt Basel - Allgemeine Musikschule (Freie Kurse), dem Fachausschuss BS/BL Musik, der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, dem Migros Kulturprozent, der Kulturstiftung Winterthur, der Artephila Stiftung für ihre Unterstützung !

 

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frühere Veranstaltungen:

 

14. Dezember 2003
Matthias Arter
Ensemble: Ist ein Solist einsam? Verderben viele Köche den Brei?

25. Januar 2004
Rudolf Lutz
Idiom und Freiheit: Von stilistischen Einschränkungen und einigen illusionären Visionen.

14. März 2004
Alfred Zimmerlin
Plan: Theoriebildung in der Improvisation. Beobachtungen an den Wurzeln
der Musik.

25. April 2004
Walter Fähndrich
Halt und Makel: Gibt es objektive Qualitätskriterien für Musik?
Kann eine Improvisation "scheitern"?

6. Juni 2004
John P. MacKeown
Spiel: Der Homo ludens in der Musik. Eine etwas verspielte Musikgeschichte

16. Januar 2005
Peter K Frey
Improvisierte Musik im Internet
: Möglichkeiten dieses Mediums für die improvisierte Musik

27. Februar 2005
Marianne Schuppe
An den Rändern der Sprache:
vom Spiel mit Bedeutungen

22. Mai 2005
Christoph Schiller
Präparieren, Manipulieren: die Bedeutung der sogenannten Klangforschung in der improvisierten Musik

19. Juni 2005
Lukas Rohner
Mehrstimmiges Blasen: Begegnungen von Mehrklängen auf Oboe und Fagott mit neuerfundenen Tastenblasinstrumenten

12. Juni 2005
“Faites vos Jeux”
Nocturne-Konzert: Peter K Frey
- Kontrabass, Marianne Schuppe - Stimme, Christoph Schiller - Klavier, Lukas Rohner - Tastenblasinstrumente, Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs - Fagott

22. Januar 2006
Urban Mäder
Es gibt nur Improvisation

12. Februar 2006
Philippe Micol
Improvisation: Die Kraft der Freiheit

26. März 2006
Michel Seigner
"Freie Improvisation"- Ein irreführender Begriff

7. Mai 2006
Hans-Jürg Meier
Formale Verpflichtungen aus dem Moment

1. Juni 2006
Nocturne-Konzert
vo
n und mit: Hans-Jürg Meier – Blockflöten, Hansjürgen Wäldele - Oboe, Philippe Micol – Klarinette/Saxophon, Nicolas Rihs - Fagott, Michel Seigner – Gitarre/Electronics, Urban Mäder – Klavier

 

 

 

 

 
Hansjürgen Wäldele 0(049)7626 1041 Entfernen Sie bei der Email-Adresse die Tiefstriche (Underscores) am Anfang und am Schluss
 
Entfernen Sie bei der Email-Adresse die Tiefstriche (Underscores) am Anfang und am Schluss Nicolas Rihs 0(041)32 / 322 17 53
 
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Stand: 27.05.2007