Aspekte der Freien Improvisation
vom
Potential einer musikalischen Geste
In der kleinsten musikalischen
Geste schlummert oft im Keim eine ganze Oper.
Wird ein wacher Geist das Mögliche hörend erkennen
und mit leidenschaftlichem Geschick die bezauberndsten Klänge
und phantastischsten Welten schöpfen?
In unserer Reihe „Aspekte der Freien Improvisation“
suchen wir mit unseren Gästen und dem Publikum neue
Wege der Auseinandersetzung mit musikalischen Grundfragen.
Hansjürgen
Wäldele, Nicolas Rihs und Gäste

1
Soiree: 4 Porträts
Gare
du Nord, im Badischen Bahnhof, Schwarzwaldallee 200, 4058
Basel
Samstag, 2. Juni 2007
Wir
geben unseren 4 Gästen "carte blanche": sie
werden zum Thema unserer Reihe je 1 Stunde Musik gestalten.
Presse:
foto&bio
18.00
Die Suche nach dem selbstbestimmten Moment
Konzert
Sylwia
Zytynska – Marimba, Vibra, Tam & Grill
Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs
- Fagott
Ich habe grossen Spass am
Improvisieren gefunden, und überhaupt habe ich es satt
immer nur Musik von anderen zu spielen. Improvisieren ist
für mich nur als "Gespräch" spannend,
mit ein, zwei, vielleicht drei Leuten. Es geht mir nicht
darum perfekte Stücke zu improvisieren, sondern es
gefällt mir eben besonders, fortwährend alles
Gespielte in Frage zu stellen, Pläne umzuwerfen und
neue Wege zu suchen. Das Ganze ist ein Spiel, bei dem man
musikalisch über die eigenen Bedingungen reflektiert
und auch mal die Spielregeln verwirft. Es geht mir aber
vor allem um Leichtigkeit, darum das Spielen zu geniessen.
Nie weiss ich vorher, was
mich erwartet, weder von mir selbst noch von meinem Gegenüber.
Die Improvisation sprudelt aus dem Jetzt, auch wenn sie
sich natürlich in der Zeit konstruiert.
Früher ist mir das
Improvisieren anderer immer als eine sehr private Beschäftigung
erschienen. Nun denke ich, dass es gelingen kann, dass Improvisation
über reine Nabelschau hinausgehen kann, eine muskalische
Geltung haben kann. Ich denke, ein spannendes "musikalisches
Gespräch", quasi eine gelungene Improvisation,
kann genauso für andere interessant sein, wie eben
ein sehr pointiertes oder spannendes öffentliches Gespräch.
Darum ist es sehr wichtig wer, wo, mit wem "spricht/spielt"
und auch worüber. Mit dem Gesprächscharakter der
Improvisation meine ich nicht ein rhetorisches Verhalten,
sondern eine emotional und geistig offene Situation zwischen
den Beteiligten.
Improvisation sollte doch
eigentlich das Brot aller Musiker sein, das Bedürfnis
selbst aus dem Bauch, aus dem Kopf die eigene Musik zu machen.
Mir zumindest geht es so.
Sylwia Zytynska
1963 in Warszawa (Polen)
geboren
Sylwia Zytynska studierte Schlagzeug an der Akademia Muzyczna
in Krakow und an der Musikhochschule Basel
Seither konzertierte Sie als Solistin und Kammermusikerin
auf vielen Bühnen der zeitgenössischen Musik und
spielte zahlreiche CD- und Rundfunk-Aufnahmen ein.
Sie war über 10 Jahre ein festes Mitglied des „Ensembles
13“ in Karlsruhe,
spielte viele Konzerte im Duo mit dem Geiger Egidius Streiff,
sowie auch mit dem Quartett „e-motion“ (mit
dem Saxophonisten Marcus Weiss, dem Gitarristen Maurizio
Grandinetti und dem Pianisten Paolo Alvarez).
In den letzten Jahren stehen vermehrt eigene Projekte, Performances
und Kompositionen im Mittelpunkt ihres Schaffens.
Seit vier Jahren verbindet sie mit Marianne Schuppe (Stimme)
und Alfred Zimmerlin (Cello) eine intensive Improvisationsarbeit.
Ihr besonderes Interesse für Musiktheater, Neue Musik
und Performances führte sie 1991 zum Festival „Neue
Musik Rümlingen“, wo sie seither in der Programmgruppe
mitwirkt.
Sylwia Zytynska unterrichtet seit 1985 Schlagzeug an der
Musik-Akademie der Stadt Basel.
Seit Oktober 2004 leitet Sie Im Gare des Nord im Basel,
ein eigenes Gross-Projekt für Kinder und mit Kindern,
den „Gare des Enfants“.
Sie war Composer of the Week beim „Musikmonat“
2001 in Basel und erhielt im selben Jahr den Kulturpreis
der Alexander Clavel- Stiftung.
Sylwia Zytynska hat zwei Kinder und lebt in Basel.
19.00
Sichtbare
Musik
Workshop & Performance mit Zuhörer
Matthias
Schwabe
Klingende Materialien
Eine musikalische Geste ist
immer auch mit einer Körperbewegung verbunden und damit
stets hörbar UND sichtbar. Manche Musiker kann man
aus diesem Grunde nur mit geschlossenen Augen ertragen,
weil ihre Bewegungen die Musik stören, anderen möchte
man beim Musizieren unbedingt zusehen. Wenn neben Instrumenten
auch klingende Materialien und Aspekte des Raumes einbezogen
werden, wird das Sichtbare ganz ausdrücklich zum Bestandteil
der Aufführung. Über die Balance zwischen Hör-
und Sichtbaren, über Übergänge vom einen
ins andere, über spartenübergreifende Kontrapunktik
und Homogenität wird es in dieser Veranstaltung gehen.
Beispiele aus der Arbeit des Improvisations- und Performance-Ensembles
EX TEMPORE, grundsätzliche Überlegungen und praktische
Versuche werden dieses Themenfeld von verschiedenen Seiten
beleuchten.
Matthias
Schwabe, www.matthiasschwabe.com
studierte Komposition und Musiktheorie in Karlsruhe und
Hamburg. Ausbildung und Mitarbeit bei Lilli Friedemann in
Musikalischer Gruppenimprovisation. Seit 1984 freiberuflich
tätig in Berlin als Komponist, Improvisator, Musikpädagoge
und Musikpädagogik-Autor. Gründungsmitglied des
Improvisationsensembles “Ex Tempore“. Fortbildungstätigkeit
im Bereich kreativer Musikpädagogik im In- und Ausland.
Lehraufträge am Sozialpädagogischen Institut Berlin
und an der Universität der Künste Berlin. Zahlreiche
Veröffentlichungen über musikalische Improvisation
und Kreativität. Vorsitzender des international tätigen
Rings für Gruppenimprovisation www.impro-ring.de.
Herausgeber des Ringgesprächs über Musikalische
Gruppenimprovisation, der einzigen deutschsprachige Fachzeitung
zu Theorie und Praxis improvisierter Musik. Gründer
und Leiter des Veranstaltungs- und Fortbildungszentrums
für improvisierte Musik exploratorium berlin. www.exploratorium-berlin.de
20.00
Kritik der Geste
Installation im „Buffet“ & Aktion
im „Bad Bhf“
Peter
Baumgartner
Powerbook
"Rastlos werfen
wir uns umher; wie die irrende Rebe,
Wenn ihr der Stab gebricht, woran zum Himmel sie aufwächst,
Breiten wir über dem Boden uns aus und suchen und wandern
Durch die Zonen der Erd, o Vater Äther! vergebens,
Denn es treibt uns die Lust, in deinen Gärten zu wohnen."
aus: "An den Äther" von Friedrich Hölderlin
In meiner Arbeit wird es
vor allem um eine Kritik der Geste gehen,
die Kritik aber verstanden als Dienst an demjenigen, was
hinter der Geste versteckt oder unter ihr begraben liegt.
Ich sehe die Improvisation/Kommunikation als zweischichtiges
Phänomen: die Oberflächenschicht der Gesten (oder
der Rhetorik) und der unmittelbaren Reaktionen aufeinander
- und eine Tiefenschicht, die ich als "Resonanzschicht"
bezeichnen werde. Ich meine damit sowas wie "gegenseitiges
Verständnis" oder "Gruppenfeeling" (es
geht dabei auch um das Wach- oder Mobilisiertwerden durch
die sich entwickelnde Kommunikation).
Dabei vermute ich, dass die Entwicklung der zweiten, die
ich als "Resonanzschicht" bezeichne, durch ein
intensives Agieren auf der Gestenebene nur bedingt zu fördern
ist, dass vielmehr Gelassenheit und eine bewusste Zurückhaltung
an der Oberfläche den Untergrund quasi nach oben holen
und direkter erfahrbar und behandelbar machen.
Die "Kritik der Geste" wird dabei auch über
eine Thematisierung der Angst und der Flucht vor
tiefgreifender Auseinandersetzung geschehen: was
treibt uns so oft dazu, über weite Entfernungen hinweg
gestikulierend mit dem Zaunpfahl zu winken, wenn wir uns
auch einfach annähern könnten ? Martin Heidegger
hat dafür ein sehr schönes und genaues Wort: ent-fernen.
Peter Baumgartner
(bloom)
Seit der Matur Autodidakt, Beschäftigung mit Sprache,
Kommunikation, Wahrnehmung, Psychologie, Philosophie, Musik
und Literatur.
Lebt und arbeitet seit 1990 im Grossraum Basel.
Ab 1998 Auftritte mit lautpoetischen Arbeiten im Übergangsbereich
zwischen Sprache und Musik (Basel, Bern, Wil).
Macht seit 1999 improvisierte Musik mit dem Computer und
spielt seit demselben Jahr mit Christoph Schiller (Klavier
und Spinett) in einem festen Duo (Auftritte in Basel, Zürich,
Bern, Mulhouse und Strasbourg).
Spielt als "bloom" solo und in verschiedenen Duos.
Seit kurzem existiert das Quartett "Rosetta Stone"
mit P.B., dem Saxophonisten Bertrand Gauguet (Paris), dem
Perkussionisten Alexandre Kittel (Mulhouse) und dem Spinet-Spieler
Christoph Schiller.
Von Zeit zu Zeit erhält er die Möglichkeit, eine
Klanginstallation zu machen (u.a. beim Projekt "Tram-Sphère"
in einem ehemaligen Tramdepot in Zürich - und im Treppenhaus
des "Progr" in Bern im Rahmen der "Leerraum"-Reihe
von Klanginstallationen) oder in einer Aufführung komponierter
Musik mitzuwirken (Werke von John Cage, Manfred Werder und
Michael Pisaro).
Eine Solo-CD ist 2004 beim Label Leerraum erschienen ("bloom
- tristan da cunha"), 2005 eine Duo-CD mit Christoph
Schiller beim portugiesischen label creative sources ("Savagnières").
Er schreibt unregelmässig für die Aargauer und
die Basellandschaftliche Zeitung und für die Schweizer
Zeitschrift für Neue Musik "dissonanz/dissonance"
über elektronische, elektroakustische, improvisierte
und/oder komponierte zeitgenössische Musik.
Anfang 2006 hat er eine Ausbildung im Bereich Erwachsenenbildung
(mit Schwerpunkt "Themenzentrierte Interaktion")
begonnen.
Seit 2007 macht der die Pressearbeit des Konzertorganisators
moments musicaux Aarau.
Er lebt mit der Pianistin Tanja Masanti zusammen und ist
seit 2000 Vater von Lea Lisa Philomena (mit Job-Sharing).
www.sonic-bloom.ch
21.00
vom Potential
einer musikalischen Geste
12 Statements
Mischa
Käser – Stimme,
Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs
– Fagott
Mischa
Käser
• geboren 1959 in Zürich
• erste Kompositionen im Kindesalter und das Gefühl,
die Welt musikalisch erfahren zu können
• Gitarrenstudium in Winterthur (1978-1982)
• Kompositionsstudien bei Hans-Ulrich Lehmann in Zürich
(1985-1989) und Roland Moser in Basel (1985-1989)
• Lautenstudium in Basel an der Schola Cantorum (1987-1989)
• ab 1990 erste Erfahrungen als Theatermusiker und
Theaterkomponist, später Regisseur eigener Theater-
und Musiktheaterprojekte
• Mitbegründer verschiedner Ensembles, zuletzt
des Improvisationstrios III-VII-XII, wo er als Vocalist
mitwirkt
• Mischa Käser lebt seit 1985 als Komponist,
Regisseur, Musiker und Gitarrenlehrer in Zürich
• Kompositorische Schwerpunkte: Vocalmusik, Kammermusik
Preise
1992 Preisträger des Zürcher Werkjahres
1996 Conrad Ferdinand Meyer Preis
1998 Prix International de Composition musicale „Reine
Marie José" 1. Preis für das Orchesterstück
"Ordouble“
2004 1. Preis der Schweizerischen Autorengesellschaft SSA
für transdisziplinäres Schaffen für das Projekt
SOUNDING SCULPTURES
2004 Kompositionspreis des Kantons Zürich
Theater- und Musiktheaterprojekte
1993 Stimmen am Rande (Gessnerallee)
Uraufführung des Kammerspiels „Im Herbst
da reiht der Feenwind – Mitteilungen aus der Isolation“
(Texte schizophrener Dichter)
1995 Muthalis (Rote Fabrik)
eine Performance für 3 gebärdesprechende Gehörlose,
3 Tänzer und 3 Musiker
1997 Nettchen (Walserwoche in Biel)(Opernhausstudio
in Zürich)
ein mikrodramatisches Singspiel nach Robert Walser für
die Oberwalliser Spillit,zwei Schauspielerinnen, einen Schauspieler,
Sopran und Tenor.
2000 Herzgewächse – Es dünkt mein
Herz mich lang chli färn
(Rote Fabrik und Gastspiel im Stadttheater Basel)
für 3 Stimmen, Kontrabass, Schlagzeug, Breakdancer,
mechanische Tiere und Tonband
1999-02 7 Bagatellen – Abgesang
für 2 Schauspieler, 1 Schauspielerin, 1 Kind und 3
Musiker
2002-04 SOUNDING SCULPTURES
eine musiktheatralische installation (Haus Konstruktiv)
für 3 schauspieler, 3 tänzer, 3 soprane, 5 musiker,
3 statistinnen, 1 chor, und 100 mechaninsche Tiere
Von
und mit: Mischa
Käser –
Stimme, Hansjürgen
Wäldele - Oboe, Nicolas
Rihs - Fagott,
Matthias Schwabe – Klingende
Materialien, Sylwia Zytynska
– Schlagzeug, Peter Baumgartner
– Powerbook
Presse:
foto&bio
Eintritt für
alle 4 Porträts: 30.-/20.-/10.-*
*Ermässigung für
SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre

4
Matineen: Musik,
Reflexion & Diskussion
Musikakademie, Haus Kleinbasel, Rebgasse
70, 4058 Basel
Sonntag, 11.00 – 12.30 Uhr
11. Februar 2007mit
Mischa Käser:
18. März 2007 mit Matthias Schwabe:
Sichtbare Musik
(visual music)
29. April 2007 mit Sylwia Zytynska:
Geste(r)n und Morgen
13. Mai 2007 mit Peter Baumgartner:
Kritik der Geste
20.-/10.-* pro Matinee, 30.-/20.-/10.-*
Soiree, 80.-/60.-/40.-* alle Matineen inkl. Soiree
*Ermässigung für
SchülerInnen und StudentInnen bis 25 Jahre
Der Eintritt gilt für
alle 4 Porträts am 2. Juni
Herzlichen
Dank
der Musik-Akademie
der Stadt Basel - Allgemeine Musikschule (Freie Kurse),
dem Fachausschuss BS/BL Musik, der Schweizer Kulturstiftung
Pro Helvetia, dem Migros Kulturprozent, der Kulturstiftung
Winterthur, der Artephila Stiftung für ihre Unterstützung
!
. 
. 

frühere Veranstaltungen:
14.
Dezember 2003
Matthias
Arter
Ensemble: Ist ein Solist einsam? Verderben
viele Köche den Brei?
25. Januar
2004
Rudolf
Lutz
Idiom und Freiheit: Von stilistischen Einschränkungen
und einigen illusionären Visionen.
14. März
2004
Alfred
Zimmerlin
Plan: Theoriebildung in der Improvisation.
Beobachtungen an den Wurzeln
der Musik.
25. April
2004
Walter
Fähndrich
Halt und Makel: Gibt es objektive Qualitätskriterien
für Musik?
Kann eine Improvisation "scheitern"?
6. Juni
2004
John
P. MacKeown
Spiel: Der Homo ludens in der Musik. Eine
etwas verspielte Musikgeschichte
16.
Januar 2005
Peter
K Frey
Improvisierte Musik im Internet:
Möglichkeiten dieses Mediums für die improvisierte
Musik
27.
Februar 2005
Marianne
Schuppe
An den Rändern der Sprache:
vom Spiel mit Bedeutungen
22.
Mai 2005
Christoph
Schiller
Präparieren,
Manipulieren:
die Bedeutung der sogenannten Klangforschung in der improvisierten
Musik
19.
Juni 2005
Lukas
Rohner
Mehrstimmiges
Blasen:
Begegnungen von Mehrklängen auf Oboe und Fagott mit
neuerfundenen Tastenblasinstrumenten
12.
Juni 2005
“Faites
vos Jeux”
Nocturne-Konzert:
Peter K Frey-
Kontrabass, Marianne
Schuppe
- Stimme, Christoph Schiller - Klavier, Lukas Rohner - Tastenblasinstrumente,
Hansjürgen Wäldele - Oboe, Nicolas Rihs
- Fagott
22.
Januar 2006
Urban Mäder
Es
gibt nur Improvisation
12.
Februar 2006
Philippe
Micol
Improvisation: Die
Kraft der Freiheit
26.
März 2006
Michel
Seigner
"Freie Improvisation"- Ein irreführender
Begriff
7.
Mai 2006
Hans-Jürg
Meier
Formale Verpflichtungen aus dem Moment
1.
Juni 2006
Nocturne-Konzert
von
und mit: Hans-Jürg Meier – Blockflöten,
Hansjürgen
Wäldele - Oboe,
Philippe Micol – Klarinette/Saxophon, Nicolas
Rihs - Fagott, Michel
Seigner – Gitarre/Electronics, Urban Mäder –
Klavier